Muss man bezahlte Umfragen versteuern und in der Steuererklärung angeben?

Bild: Versteuerung von Einkommen durch bezahlte Umfragen als Nebeneinkommen)

Die meisten Menschen die mit Umfragen Geld verdienen oder als Produkttester arbeiten, machen sich keine Gedanken darüber ob die Einnahmen aus dieser Tätigkeit auch versteuert werden müssen. Viele nehmen den kleinen Nebenverdienst unversteuert mit und werden auch nicht erwischt. Doch wie ist die rechtliche Lage wirklich?

Generell muss man seine Einnahmen in Deutschland versteuern. Ein Schlupfloch im Gesetzestext bietet unter Umständen aber die Möglichkeit die Einnahmen durch bezahlte Umfragen steuerfrei zu erhalten. Dies ist auch dann möglich, wenn die Einnahmen aus mehreren Einkommensquellen stammen (z.B. durch die Mitgliedschaft bei mehreren Onlinepanels).

Dieser Artikel spiegelt meine persönliche Einschätzung wieder. Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und meine Angaben mehrfach mit seriösen Quellen abgeglichen. Zudem fließen meine langjährigen Erfahrungen als Selbstständiger Unternemer mit ein. Nichtsdestotrotz möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich weder Steuerberater noch Jurist bin und dieser Artikel deshalb ohne Gewähr erscheint. Er ist nicht als rechtsverbindlicher Ratgeber oder ähnliches zu verstehen.


Der Einfachkeit halber unterscheiden wir zwischen:

Fall a) Ein Angestellter oder jemand mit einer Lohnsteuerpflichtigen Tätigkeit erzielt ein Nebeneinkommen durch Onlineumfragen oder Produkttests

und

Fall b) Jemand ohne Lohnsteuerpflichtige Tätigkeit möchte über einen längeren Zeitraum mit Umfragen und/oder Produkttests Geld verdienen

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Fall a) - Die Einkünfte werden als Nebeneinkommen erzielt
Dies ist der einfachste Fall und mit am wenigsten Aufwand verbunden. Normalerweise muss jedes Nebeneinkommen bei der Steuer angegeben werden. Das gilt auch für Einnahmen, die aus der Teilnahme an bezahlten Umfragen heraus entstehen. Das besagte Steuerschlupfloch jedoch ermöglicht es Einkünfte aus dem Nebenerwerb bis zu einer gewissen Summe steuerfrei zu halten. Konkret geht dies bis zu einem nebenberuflichem Jahreseinkommen von 410 Euro. Das entspricht monatlich 34,16 € die man sich steuerfrei hinzuverdienen darf, sofern man die unten aufgeführten Voraussetzungen erfüllt.

Konkret geht es um den Passus § 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG (Einkommenssteuergesetz)
keine Steuererklärung abgeben, so dass die 410€ steuerfrei sind.

und § 70 EStDV (Einokmmenssteuer-Durchführungsverordnung)

"Betragen in den Fällen des § 46 Absatz 2 Nummer 1 bis 7 des Gesetzes die einkommensteuerpflichtigen Einkünfte, von denen der Steuerabzug vom Arbeitslohn nicht vorgenommen worden ist und die nicht nach § 32d Absatz 6 des Gesetzes der tariflichen Einkommensteuer unterworfen wurden, insgesamt mehr als 410 Euro, so ist vom Einkommen der Betrag abzuziehen..."

Folglich sind derartige Einkünfte bis 410 Euro pro Kalenderjahr davon befreit. Sie müssen m.E. auch nicht in der Steuererklärung angegeben werden.

Das ganze ist jedoch an einige Voraussetzungen geknüpft:

  • Man geht hauptberuflich einer Lohnsteuerpflichtigen Tätigkeit nach und erzielt die Nebeneinkunft durch Umfragen
  • Die Tätigkeit findet in selbstständiger Ausübung statt
  • Die Tätigkeit mit der Gewinnerzielungsabsicht darf nicht auf Dauer ausgelegt sein

Hier muss man unterscheiden ob eine langfristige Gewinnerzielungsabsicht vorliegt oder nicht. Ist das Vorhaben mit den Umfragen Geld zu verdienen nur für einen bestimmten Zeitraum gedacht, beispielsweise als Überbrückung beim Jobwechsel, um innerhalb der Elternzeit etwas hinzu zu verdienen, so kann m.E. davon ausgegangen werden, dass keine langfristige Gewinnerzielungsabsicht vorliegt.

Der Freibetrag in Höhe von 410 € pro Kalenderjahr reicht vielen Teilnehmern im Bereich der Onlinemarktforschung aus womit diese Ihre Einnahmen steuerfrei behalten können. Allerdings gibt es auch eine nicht zu vernachlässigende Anzahl von Umfrageteilnehmern, die mehr als die durch den Härteausgleich gedeckelten 410 Euro im Jahr verdienen.

Wie sieht es in einem solchen Fall aus wenn die Einkünfte aus der Teilnahme an Umfragen oder Produkttests die 410 Euro übersteigen?

Kommt man mit seinem Nebeneinkommen über 410 Euro, bleibt aber unter 820 Euro pro Jahr, so wird die Höhe der Einkünfte abzüglich der Werbungs- und Betriebsausgaben von den gedecktelten 820 Euro abgezogen. Vereinfachtes Beispiel: Jemand verdient 430 Euro mit Umfragen und hat keine Ausgaben, so werden von 820 Euro 430 Euro abgezogen. Übrig bleiben 390 Euro die Steuerfrei bleiben. Die übriggebliebenen 430 Euro werden dann über den normalen Steuersatz versteuert.

Übersteigt man die 820 Euro pro Jahr, wird der ganz normale persönliche Steuersatz auf die Nebeneinkünfte angewandt. Dies betrifft Umfrageteilnehmer und Produkttester mit geringem Einkommen nicht. Bei einigen die sich ausgiebig mit Umfragen beschäftigen und das ganze als seriösen Nebenerwerb betreiben greift dieser Punkt jedoch und die Einnahmen müssen in der Steuererklärung angegeben werden.


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Fall b) Geht man keiner Lohnsteuerpflichtigen Tätigkeit nach und möchte mit Umfragen gewerbsmäßig Geld verdienen, so muss ein Gewerbe angemeldet werden.

Das klingt zunächst jedoch schlimmer als es eigentlich ist und bietet sogar einige Vorteile, z.B. kann man Anschaffungen für seine Tätigkeit (Neuer Computer, Büromaterial und vieles mehr) von der Steuer absetzen. Auch ein Steuerberater ist nicht zwingend nötig um ein Gewerbe zu führen.

Die Anmeldung eines Gewerbes ist kostengünstig und schnell erledigt. Je nach zuständiger Gemeinde kann die Gewerbeanmeldung zwischen 15 und 70 Euro kosten. Bei den meisten Gemeinden betragen die Kosten für eine Gewerbeanmeldung zwischen 15 und 25 Euro. Danach kann man loslegen und Zusatzeinnahmen generieren.

Was gilt es zu beachten und welche Steuern muss ich als Gewerbetreibender bezahlen?

1. Einkommenssteuer
Als Teilnehmer von bezahlten Meinungsumfragen kommt man in der Regel nicht über die geltenden Freibeträge hinaus. Als Gewerbetreibender unterliegt man den jeweils aktuellen Freibeträgen. Das waren im vergangenen Jahr 9000 Euro Gesamteinkommen pro Jahr für ledige unverheiratete Menschen. Ist man hingegen verheiratet lag der Grundfreibetrag dür das Gesamteinkommen sogar bei 18.000 Euro. Einkünfte darunter bleiben im Falle der Einkommenssteuer also Steuerfrei.

Trotzdem müssen die mit dem Gewerbe erzielten Einkünfte bei der Einkommenssteuererklärung für Selbstständige unter Anlage G eingetragen werden. Bei freiberuflich Tätigen Menschen gilt entsprechend die Anlage S.

In dieser Anlage werden die Gewinne eingetragen. Ermittelt werden diese mit einer einfachen Einnahmen- / Überschussrechnung. Das bedeutet von den Einnahmen (Umsätzen) werden die Ausgaben die man für seine gewerbliche Tätigkeit hat abgezogen. Von den Gewinnen kann man hier z.B. Papier, Druckertinte, Stifte aber auch Telefon- und Internetkosten absetzen, wenn diese für die Tätigkeit genutzt werden.

2. Umsatzsteuer
Bleibt der Jahresumsatz unter 17.500 Euro kann man auf die sogenannte Kleinunternehmerregelung zurückgreifen. Diese Regelung erleichtert selbsttändig Tätigen den bürokratischen Aufwand ungemein. Solange man als Kleinunternehmer gilt, kann man darauf Verzichten Umsatzsteuer auf den Rechnungen zu erheben und muss diese im Gegenzug auch nicht mit dem Finanzamt verrechnen.

3. Gewerbesteuer
Die Gewerbesteuer wird erst ab dem Überschreiten des Freibetrages in Höhe von 24.500 Euro pro Jahr erhoben. Als Panelist der an Umfragen bei verschiedenen Onlinepanels teilnimmt wird man diese Grenze nur in absoluten Ausnahmefällen erreichen, beispielsweise wenn man in Vollzeit an Umfragen teilnimmt und bei jedem erdenklichen Marktforscher aktiv teilnimmt. Für die meisten ist also auch der Punkt Gewerbesteuer kein Problem.

Steuerlich gesehen spricht also nichts dagegen ein Gewerbe anzumelden und sich mit einfachen Onlinenebentätigkeiten etwas dazu zu verdienen. Viele Menschen tun dies bereits erfolgreich!

Fragen und Antworten:

Muss ich mich krankenversichern?
Fall a) Arbeitet man hauptberuflich in einem Lohnsteuerpflichtigen Arbeitsverhältnis, ist man in der Regel über seinen Hauptberuf krankenversichert. Werden die Einnahmen aus dem Nebeneinkommen als Nebenberuflich gewertet, bleibt man weiterhin über die bestehende Krankenversicherung versichert.

Fall b) Wenn man als Familienmitglied (z.B. als Kind oder als Ehepartner) über die Krankenkasse mitversichert ist, und die Einkommensobergrenze nicht überschreitet, kann man auch weiter Familienversichert bleiben. Die Einkommensobergrenze beträgt 1/7 der Bezugsgröße, im vergangenen Jahr waren dies beispielsweise 435 Euro pro Monat.

Zählen Gutscheine auch zum steuerpflichtigen Einkommen?
Generell müssen auch Gutscheine als Einnahme gebucht werden. Entgegen der weitläufig falschen Annahme Gutssscheine müssen nicht versteuert werden, gelten Einkaufsgutscheine als geldwerter Vorteil. Es ist zwar für die Finanzämter nur schwer nachvollziehbar, wer einen Warengutschein erhält oder einlöst, wer auf Nummer sicher gehen möchte gibt aber auch die Gutscheine als geldwerten Vorteil an. Solange man unter den Freibeträgen bleibt hat man hier auch keinen Nachteil zu verzeichnen.


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Die Topliste der Anbieter von bezahlten Onlineumfragen

Rangliste Onlinepanel Umfrage / € Umfragen / Monat Testbericht
1. Global Test Market ~ 6 Euro Viele Erfahrungen
2. Toluna ~ 3 Euro Viele Erfahrungen
3. MySurvey ~ 4 Euro Mittel Erfahrungen
4. Meinungsstudie ~ 6 Euro Mittel Erfahrungen
5. Euroclix ~ 6 Euro Nicht gleichbleibend Erfahrungen
6. Mafo ~ 6 Euro Durchschnittlich Erfahrungen
7. Swagbucks ~ 4 Euro Viele Erfahrungen
8. Entscheiderclub ~ 2 Euro Gering Erfahrungen
9. Consumer Opinion ~ 6 Euro Durchschnittlich Erfahrungen
10. Refero ~ 6 Euro Mittel Erfahrungen
11. Meinungsort ~ 6 Euro Schwankend Erfahrungen
12. Keypanel ~ 4 Euro Schwankend Erfahrungen
13. Gratispoints ~ 3 Euro Mittel Erfahrungen
Angegeben: Maximal erreichter Verdienst pro Umfrage und "durchschnittliche" Anzahl von Umfragen pro Monat (Wert ist Profilabhängig).

Hier geht es zur Liste mit weiteren Onlinepanels der Plätze 7 - 20






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